28.08.2012

Singapur und Kuala Lumpur, 29.07 - 05.08

Tut uns Leid, dass wir den Blog in letzter Zeit ein wenig haben schleifen lassen. Vermutlich waren wir noch immer zu sehr von unserm Neuseelandaufenthalt geschwächt, um die neuen Eindrücke auch noch vermitteln zu können. Nun wird's aber höchste Zeit. Nachdem wir in Singapur angekommen waren, hieß eine der ersten Missionen: "Haare schneiden". Leider wurden wir - bis auf eine tolle und ausgedehnte Haarwaschmassage - von einer ausgesprochen überforderten Friseurin ziemlich herb enttäuscht und mussten einige grobe Schnitzer sogar selbst noch korrigieren, um nicht allzu deppert durch Chinatown zu laufen. Vermutlich sollte man es bei einer Kopfmassage belassen, wenn man sich ausschließlich durch das Wort "kata" verständigen kann. Ein absoluter Knaller in Singapur ist eine Art Gemeinschaftsplatz im Herzen Chinatowns. Fast jeden Abend werden von den begeisterten Einheimischen unterschiedlichste, aber mit Sicherheit nicht traditionelle Tänze getanzt. Von lateinamerikanischen Rhythmen über Disco Fox, bis hin zu eindrucksvoll schrittsicheren asiatischen Cowboys werden alle Wünsche bedient. Direkt nebenan spielen die etwas betagteren (vermutlich ab 75), ausnahmslos männlichen Singapurer in traditioneller, aus unerwartet kurzer Sporthose, Plastikschlappen und feinem Hemdchen bestehender Spielkleidung mit großem Eifer chinesischen Schach. Wobei die beiden Kontrahenten scheinbar von mindestens vier nicht minder konzentrierten Beobachtern umringt werden müssen, damit es sich um ein offizielles Aufeinandertreffen handelt. Wenn wir von einem unschönen Erlebnis mal absehen, bei dem Marie ein zum Glück noch ausreichend verpacktes Geschlechtsteil präsentiert wurde (was vielleicht aber auch nur ein etwas ungeschickt angegangener Flirtversuch war), fühlt man sich in Singapur so sicher wie sonst eigentlich nirgendwo (dagegen ist Panama-Stadt ein wahrer Hort des Bösen). Natürlich vorausgesetzt man hält sich an die vielfältigen Regeln der außerordentlich strengen Regierung, um wahnwitzig hohen Bußgeldern und der Prügelstrafe zu entgehen, wo man nur kann. Das Radeln in Unterführungen kann schon mal 2000 Dollar kosten. Aber man muss wirklich anerkennend staunen, wie einträchtig so unterschiedliche Kulturen auf engstem Raum miteinander auskommen. Für uns hat sich die Vielfalt hauptsächlich dadurch offenbart, dass man sich an einem Tag durch sämtliche asiatischen Küchen futtern kann. Was eigentlich schon einen Besuch in Singapur rechtfertigt. Besonders hilfreich sind einem dabei gigantische "Food-Markets", in denen aus hunderten, vier Quadratmeter kleinen Fressbuden alles mögliche feilgeboten wird, was das kulinarische Herz begehrt. Nachdem wir die Grenze zu Malaysia erfolgreich mit dem Bus überquert hatten (unser Busfahrer hatte zum Glück einen zu mehr als drei Vierteln gefüllten Tank, denn alles andere ist hochgradig illegal), kamen wir in einem im Vergleich zu Singapur ziemlich unordentlichen Kuala Lumpur an, und schnupperten endlich mal wieder die nächtliche, vertraut unsichere Luft im Umkreis von Busbahnhöfen. Eigentlich wollten wir über den Landweg nach Thailand weiterreisen - und hätten so auch noch ein bisschen mehr von Malaysia gesehen als dessen eher unschöne Hauptstadt -, aber das Auswärtige Amt warnte uns in letzter Minute eindringlich vor der scheinbar terrorgeplagten Grenzregion und wir mussten uns nach einem Flug umschauen.




Singpaur_Malaysia

01.08.2012

Neuseeland Südinsel, 19. - 29. 07

Nachdem wir mit samt unserm kleinen Zuhause - dem sogenannten Britz - mit der äußerst komfortablen und im Vergleich zu südamerikanischen Ländern streberhaft überpünktlichen Fähre übergesetzt waren, setzten wir unsere Inselerkundung mit gewohnter Hartnäckigkeit fort. Auch wenn uns so langsam vielleicht doch dämmerte, dass wir uns grenzwertig viel vorgenommen hatten. Das erste Bild zeigt wie konzentriert und verbissen der erste Straßennavigator M. Fischer schon während der Schifffahrt die gewundenen Straßen studiert, um ein möglichst reibungsfreies Fortkommen garantieren zu können. Innerhalb weniger Tage kann man auf der nun wirklich nicht mit spektakulären Naturerscheinungen geizenden Südinsel einen ganzen Haufen völlig unterschiedlicher Eindrücke sammeln. Gerade noch in den tiefen Schlund einer gigantischen Karsthöhle starrend (wobei wir tierisch aufpassen mussten, wegen der fiesen Eisschicht auf den Steinen nicht direkt in die Tiefe zu rutschen), befindet man sich im nächsten Moment an einem der endlosen Strände (auf tasmanischer Seite mit wirklich eindrucksvolle Wellen), steht mir nichts dir nichts vor nach österreichischen Kaisern benannten Gletschern, die penetrant von mehreren Tourihelikoptern umkreist werden oder paddelt in gestreifter Robin-Hood- Unterhose durch eine schon fast wahnwitzig schöne Fjordlandschaft. Man kann eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen, dass das Land ein Hammer ist. Nach über 5000 km auf dem Buckel und einer verwirrenden Anzahl an Eindrücken in unsern Köpfen, gaben wir unsern kleinen Britz schließlich in Christchurch ab. Erschreckenderweise hat die Stadt noch immer heftig an den Folgen des Erdbebens im letzten Jahr zu knabbern. Ganze Viertel sind nicht mehr bewohnbar, Flüsse über die einstigen Ufer getreten, Brücken verbogen und fast die ganze Innenstadt unzugänglich. Trotzdem war es erstaunlich zu sehen, wie einfallsreich und gut gelaunt die Neuseeländer den Wiederaufbau anpacken. Für den letzten Tag hatten wir uns dann noch ein ganz besonderes Schmankerl vorgenommen, das eigentlich - vor allem in der dafür günstigen Winterzeit - zum Pflichtprogramm eines gewissenhaften Neuseelandtouristen gehört. Und obwohl sich bei "Whalewatching" durchaus die ein oder andere Stirn runzelt und man sich fragen kann, ob das ganze so naturverbunden ist, wie es daherkommt, war der Ausflug wirklich beeindruckend, auch trotz einer ziemlich rauen See. Gespannt konnten wir mitansehen, wie Pottwale (heißen hier auch "Sperm Whale" zu deutsch Spermienwal, weil irgendein Zoologieheld auf die Idee kam, dass die Flüssigkeit im Kopf der Tiere der Fortpflanzung diene) eine scheinbar genau vorgegebene Anzahl Atemzüge nehmen und dann in die Abgründe des Ozeans abtauchen, um mit Riesenkraken zu ringen (ein Bild zeigt die Narben am Kopf des Spermienwals). Außerdem bekamen wir eine ganze Hundertschaft Delfine zu sehen, die, als ob sie nur darauf gewartet hätten, auf unser Boot zustürzten, wild um uns herumtollten und diesmal auch endlich - wie man es wohl erwarten kann - ihre artistischen Sprünge zum besten gaben. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten - und kurz bevor die ersten sich hätten schlußendlich erbrechen müssen -, wartete sogar noch eine, diesmal völlig kostenfreie zoologisch wertvolle Erfahrung auf uns. Wir saßen am Strand und vertrieben uns die Zeit bis zum nächsten Bus, als wir erst nach einiger Zeit bemerkten, dass sich genau neben uns bereits ein Seelöwe niedergelassen hatte und genüßlich in der Nachmittagssonne lag, und uns bei mehreren Gähnattacken seine unerwartet beeindruckenden Zähnchen zeigte. Wenn man die Bilderserie samt Berti und Seelöwe genau betrachtet, sieht man eine verblüffende Ähnlichkeit typischer, natürlicher Verhaltensweisen am Strand, die vermutlich in allen Säugetieren gleichermaßen verwurzelt sind. Ach so, das haben wir ganz vergessen. Durch einen kleinen Ausparkfahrfehler in ganz und gar nicht anspruchvollem Terrain, blieb unser Britz mit dem Hintern in einem Graben stecken. Obwohl wir uns mitten im Nirgendwo befanden tauchte glücklicherweise eine glücklicherweise reichlich übergewichtige und äußerst hilfreiche Familie auf, die uns dann tapfer mit Bärenkräften half, uns aus peinlicher Lage zu befreien. Wenn man die Stelle sehen würde - wir haben extra keine Bilder gemacht - müsste man zu dem Schluss kommen, dass Vollidioten (besser ein Vollidiot) am Werk gewesen waren.




Neuseeland_Suedinsel

20.07.2012

Neuseeland Nordinsel, 10. - 19.07

In Auckland angekommen, holten wir unsern kleinen asiatischen Campervan ab (zur Abwechslung bekamen wir ein besseres Fahrzeug als erwartet) und machten uns, nachdem wir die Stadt von einem der mit zahlreichen Schafen bestückten Hügeln betrachtet hatten (deshalb sind Schafe bezeichnenderweise auch auf unsern ersten Fotos aus Neuseeland), auf den Weg die Nordinsel zu erkunden. In einer gigantisch langen (2500 km) Schleife fuhren wir bis hoch zum nördlichsten Punkt und dann, wieder vorbei an Auckland, bis hinunter zur selbsternannt "coolsten kleinen Hauptstadt" Wellington. In den ersten Tagen hatten wir noch ausgesprochen gutes Wetter - und dachten eigentlich auch, dass das so bleiben würde -, was die ganze Neuseelandnaturkulisse noch grandioser machte, und wir uns schon gar nicht mehr wunderten, wenn ganze Scharen von Delfinen direkt neben uns im kristallklar kalten Wasser auftauchten und im Vergleich zu den neugierig, ja fast schon penetranten kalifornischen Seehunden (besonders ein Exemplar, genannt Robbie) ein wenig hochnäsig ihre Bahnen zogen, ohne sich viel um uns zu scheren. Leider hatte sich das Wetter im Laufe der Tage erheblich verschlechtert und von ganzen Regionen haben wir praktisch nichts zu Gesicht bekommen. Zumindest machte uns aber der Geruch darauf aufmerksam, dass wir uns in einer vulkanisch höchstaktiven Zone befanden. Außerdem fanden wir das scheinbar bewusst schlecht ausgeschilderte, einzige öffentliche "Thermalbad" und konnten uns nach einer kleinen halbnackten und frosteligen Wanderung völlig umsonst in einem mollig warmen Waldbach aalen. Eindrucksvollerweise riechen unsere Klamotten nach diesem geothermischen Badespaß selbst nach intensiver Wäsche noch immer nach Schwefel, sprich nach Furz. Da es dem neuseeländischen Verkehrsministerium scheinbar großen Spaß bereitet, ihren Straßen plakative Namen zu geben, hatten wir geplant über den Forgotten World Highway auf den Surf Highway zu gelangen. Nachdem wir die ersten Kilometer noch mit einem süfisanten Lächeln zurückgelegt hatten und zuerst die Anzahl Schafe und dann der allgemeine Wildnisindex exponentiell anstiegen waren, wurde uns klar, dass sich hier nicht nur Hase und Igel gute Nacht sagen, sondern ernsthafte Naturgefahren unser Weiterkommen auf eine harte Probe stellen würden. Hinter scheinbar jeder Kurve lauerte ein neuer Steinschlag, umgeknickter Ast oder Erdrutsch, in jeder Senke mussten wir tiefere Fluten durchfahren. Und schließlich mussten wir aufgeben, weil riesige Erdmassen uns den Weg versperrten. Als wir dann auf einer nicht minder abenteuerlichen Ausweichroute wieder Radioempfang hatten, wurde berichtet, dass es keine Behinderungen auf den Straßen geben würde, und wir wussten, zum einen, dass das eine Lüge war und zum anderen, dass die Natur einem ganz schön in die Suppe spucken kann. Vor allem in der Forgotten World. Abschließend kann man sagen, dass selbst die Nordinsel die allgemeine Lobhudelei um Neuseeland schon allemal rechtfertigen kann, und, dass Wellington wohl mit Abstand das beste Museum in der ganzen Welt besitzt und Neuseeländer, obwohl man sie aufgrund erheblichen Inseldialekteinschlags eigentlich oftmals genau so gut oder auch schlecht versteht wie die meisten muttersprachlich geprägten Panamaer, ein wirklich nettes Völkchen sind. Übrigens ist Campen entgegen einschlägiger Internetforen durchaus auch im Winter erträglich, auch ohne die ganze Nacht den Motor laufen zu lassen. Die Notfallthermounterwäsche kommt wohl erst im Fjordland zum Einsatz.




Neuseeland_Nordinsel

15.07.2012

Kalifornien und Nevada, 18.06 - 08.07

Nachdem sich unsere kleine Reisegruppe leider doch wieder aufgelöst hatte, mussten wir uns erneut in unser gewohntes, von öffentlichen Verkehrsmitteln (was in den USA erwartungsgemäß etwas komplizierter ist, als in den meisten anderen Ländern - aber man lernt äußerst gebildete Obdachlose kennen und kann seine Spanischkenntnisse auffrischen) und günstigen Herbergen geprägtes Nomadenleben begeben. Los Angeles hat leider in letzterer Hinsicht recht wenig erfrischendes zu bieten, und wenn man überhaupt mal ein Hostel gefunden hat, muss man ein winziges Zimmer samt zwei Stockbetten mit Chris und Adriano (Namen sind frei erfunden) teilen, die sich schon seit Monaten und Jahren dort eingenistet haben. Und das einschließlich Flachbildschirm, gigantischer Stereoanlage, gesamtem Hausrat und Bodyboardpokal. Da uns das Zimmer aber immer noch nicht ausreichend ausgelastet und unsere Reise noch nicht mühsam genug vorkamen, haben wir uns kurzerhannd noch ein zweites Surfbrett gekauft, das wir seit dem mit uns herumschleifen müssen. Dank der herzlichen Gastfreundschaft einheimischer Freunde (vielen Dank nochmal Bud und auch Will, und Duke), hatten wir die Möglichkeit, der Großstadt zu entfliehen und unser Quartier für ein paar Tage im resortähnlich anmutenden, nur einen Steinwurf vom Strand entfernten Blue Dolphin Drive Ecke Surfside nördlich von Los Angeles aufzuschlagen. Hier konnten wir einem ziemlich authentischen kalifornischen Kleinstadtleben beiwohnen und unsern Wüstentrip nach Nevada vorbereiten. Als Ausgleich für unsere dann doch ganz schön beharrliche Anwesenheit, kümmerten wir uns um den chronisch unterforderten, ADHS erkrankten Husky und versuchten mit mäßigem Erfolg, verschiedenste Tricks des Hundeprofis anzuwenden. Wenn man nach Las Vegas geht, muss man maßgeblich drei Dinge beachten: 1. unter der Woche eines der gnadenlos reduzierten, aber trotzdem luxuriösen Hotelzimmer beziehen, 2. kaum bis überhaupt nicht Spielen (rückblickend waren wir wirklich die absoluten Anti-Vegas-Touristen) und 3. (für den Fall, dass man mit dem eigenen Auto unterwegs ist) im Bereich von Gefängnissen, die mutterseelenallein in der Wüste stehen, "keine Anhalter mitnehmen", auch wenn sie noch so vertrauenswürdig in ihrer gestreiften Kleidung dastehen und den Daumen in die Luft halten. Natürlich hatten wir neben unserer verhaltenen Spielerei auch noch genügend Zeit, das Death Valley in Angriff zu nehmen und sind in unserem kleinen, klimatisierten Fiat 500 (wird im amerikanischen Straßenverkehr kaum wahrgenommen) durch das von Hitze gebeutelte Tal geflitzt und haben unsere angenehme Fahrgastzelle nur in den seltensten Fällen für das ein oder andere Foto (ich küsse nicht Boden, sondern decke meinen Salzbedarf) oder die ein oder andere Verletzung an den spitzen Steinen (nieder mit den Flip-Flops als Wanderschuhersatz) verlassen. Bevor wir uns dann für die letzten Tage wieder in Strandnähe und aus Kostengründen nicht im versnobten Santa Barbara niederließen (wir suchten uns gezielt ein Motel im Umkreis von Prostitution und Drogenhandel), hatten wir noch die einmalige Möglichkeit die X-Games in Los Angeles zu besuchen, wo sich die Weltelite der Extremsportarten alljährlich trifft und diverse halsbrecherische Kunststückchen zeigt. Leider mussten wir wirklich endlos über das Festivalgelände irren, um unsere Karten vom "Will Call" zu beschafften, weil es ausländischen Besuchern nicht gestattet ist Tickets online auszudrucken. Komischerweise, und das passt nach europäischem Verständnis nicht so ganz zu alternativen Veranstaltungen, war die US Navy einer der "Hauptsponsoren" (eigenes Geld werden die ja wohl eher nicht haben) und veranstaltete affige Klimzugwettkämpfe für das ausnahmslos begeisterte Publikum. Wahrscheinlich konnte man sich, noch euphorisiert vom gerade aufgestellten Rekord, im Zelt um die Ecke direkt für den nächsten Auslandseinsatz einschreiben. Zuletzt beweisen die Bilder ganz eindeutig, dass das bei uns eher verpönte Kickboard (heißt hier sinnvollerweise einfach Scooter), mit dem sich gewohntermaßen eher Vorschüler und junggebliebene Yuppies abgeben, mit Sicherheit eine der nächste großen Überraschungen in der Extremsportwelt sein wird.
So, damit ist das letzte Kapitel auf dem amerikanischen Doppelkontinent beendet und wir begeben uns über Fidschi (wo wir leider nur so lange bleiben, um kurz der Begrüßungsmusik für nicht Transitreisende lauschen können) nach Neuseeland für einen epischen Winterroadtrip in einem wohl außergewöhnlichen Land. Bis bald.




Kalifornien_Nevada

04.07.2012

Roadtrip Kalifornien, 04. - 18.06

Um unserer häufigen, selbstauferlegten Zweisamkeit dann doch mal wieder zu entfliehen, haben wir eben diese gegen einen zweiwöchigen Doppelpärchenwohnmobilroadtrip durch Kalifornien eingetauscht, und sind durch einen Bundesstaat gegondelt der neben Todesstrafe, medizinischem Marihuana (erhältlich mit entprechendem vom Arzt des Vertrauens verschriebenem "Rezept") und freundlichen Menschen, auch einen ganzen Haufen an Naturschauspielen zu bieten hat, die selbst gestandene Naturliebhaber mit hohen Erwartungen problemlos überzeugen können. Endlos einsame, wilde Küstenabschnitte, zankende Jungseeelefanten, kletterfreudige Küstenhirsche und natürlich der Ehrfurcht einflößende Gesteinstempel Yosemite, sind nur einige Highlights des nordamerikanischen Westküstenabschnitts, den wir mit einem für deutsche Vorstellungen ungewöhnlich riesigem, für amerikanische Ansprüche wohl eher fliegenhaft kleinem Wohnmobil (heißt hier Recreational Vehicle, was zumindest während der Parkplatzsuche dieser Definition auf keinen Fall entspricht) erkunden konnten. Obwohl der Programmpunkt Hollywood in atemberaubend schnellem Tempo abgehakt wurde (und trotzdem keine Minute zu wenig), konnten wir uns schon mal darin üben, touristische Sehenswürdigkeiten im amerikanischen Stil direkt aus dem Auto heraus zu observieren, was vor allem mit einer roten USA-Mütze (samt Adler und Rennstreifen) und einer Kamera um den Hals wohl auch absolut legitim ist. Dann wird einem sogar verziehen, dass man wegen seinem mobilen Appartement die eher kleinen und gewundenen Straßen hinauf bis zum Hollywood-Schriftzug in beiden Richtungen blockiert und lange Streckenabschnitte zurücksetzen muss. Da selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten "wildes Campen" nicht so ganz legal ist, hat es uns nicht übermäßig verblüfft, als wir gleich in der ersten Nacht ein bisschen unsanft, aber trotzdem unerwartet höflich mit "Hello Sir, United States Park Ranger" aus dem Schlaf gerissen wurden, als wir, um eine gute Ausrede parat zu haben, genau neben dem Eingang eines Nationalparkcampingplatzes nächtigten (mit unerhört hohen Stellplatzpreisen). Der gute Mann ließ sich aber mithilfe der Begründung überzeugen, dass sämtliche Insassen zu betrunken und damit jeglicher Fahrtüchtigkeit beraubt seien, was sicher durch unbebrillt zusammengekniffenen Augen, ein eher unbekleidetes Äußeres und eine endlos lange, hektische Fummelei an der mehrfach gesicherten Wohnmobiltür unterstrichen wurde. Leider hat uns diese Erfahrung unnötigerweise etwas eingeschüchtert und die Suche nach weiteren Übernachtungsmöglichkeiten psychologisch erschwert. Wir haben natürlich auch tapfer versucht, die ein oder andere Welle zu reiten, und das trotz Wassertemperaturen, die selbst mit Neoprenanzug teils kaum auszuhalten waren, nervige Algen ihren glibberigen Griff um unsere Füße legten, und einen titanenhafte Seehunde sowie - natürlich besonders nervig - herumtollende Delfine von der nötigen Konzentration abhielten, um die kräftigen Pazifikwellen zu überstehen. Verständlicherweise haben wir aber gekniffen, als eine der weltweit größten Populationen Weißer Haie durch eine zuvorkommende Infotafel angekündigt wurde. Falls jemand vorhat, die Golden Gate Brücke stadteinwärts zu überqueren, man kann die anfallende Gebühr - und das in einem Land, in dem für ein Bund Basilikum die Kreditkarte gezückt wird - ausschließlich bar bezahlen. Natürlich lohnt es sich dennoch, auch wenn man nicht zu den ausgewiesenen Großstadtliebhabern gehört, San Francisco einen Besuch abzustatten, vor allem, wenn man dank der Unterstützung alteingessesener Franziskaner wirkliche Geheimtipps zu sehen bekommt und in der ältesten Bar der Stadt, dem Saloon, zu Hillbillytönen das Tanzbein schwingen kannn während im Block gegenüber eine Bombendrohung stattfindet. Leider hatten wir für den Yosemite Nationalpark nicht mehr ganz so viel Zeit - die Küste hatte uns zu sehr gefesselt -, aber immerhin konnten wir eine Nacht auf einem traumhaften Waldcampingplatz verbringen (einschließlich klassischem Holzsammeln, Grillen und einer ständigen Furcht vor gefräßigen Bären, die ungeachtet der vorschriftsmäßig gut gesicherten Lebensmittel ihr Unwesen treiben), um am folgenden Tag durch das vierspurig ausgebaute Autowanderbahnnetz zu gleiten und die eindrucksvolle Naturkulisse sowie die kaum zu fassende amerikanische Faulheit zu bewundern. Nach abschließenden Päarchenbildern am besten Aussichtspunkt, dem Glacier Point, ging's dann wieder in Richtung Los Angeles, um uns noch ein bisschen in der Sonne zu aalen und unser Gefährt wieder "entdumpt" und mit aller Mühe gereinigt - aber leider etwas zu spät - zurückzugeben.




Kalifornien_Kueste
Yosemite

22.06.2012

Panama-Stadt, 28.05 - 04.06

Da wir nochmal eine ganze Woche in der Hauptstadt verbrachten, kamen wir endlich auch auf die Idee, Schwarzweiß-Bilder der Stadtansicht zu machen. Und sogar noch besser, wir fanden die Kantine der restaurierungsbedingt großen Zahl Arbeiter im Altstadtbereich des pflegebedürftigen Weltkulturerbejuwels, was unserer Reisekasse wie auch unserer Ernährung ziemlich gut getan hat (außer als die sagenhaft mutige Marie die panamaische Kuttelinnereienversion probieren musste). Als letzte Großaktivität in Panama haben wir noch die küstennahe Insel Taboga besucht, die den städtischen Panamaern als idyllischer Anlaufpunkt dient, um sich am Wochenende heftig zu betrinken, nachdem große Mengen Bier erfolgreich an den auch auf dem Landungssteg der Insel konzentriert anwesenden Sicherheitskräften (diesmal Angehörige der Marineluftwaffe samt einem völlig verfetteten "Drogenspürhund") vorbeigeschmuggelt wurden. Das war irgendwie nicht ganz legal (warum auch immer), führte aber bei Erfolg dazu, dass man mit mindestens zwei Dosen Bier in den Händen hüfttief im lauwarmen Meerwasser stehen konnte, um sich darüber zu freuen, dass der eigene, zunehmend alkoholisiert schwankende Körper dank des Wassers kaum ausgleichende physische Aktivitäten zu verrichten hat. Reichere Panamaer kamen zwar zu dem gleichen Resultat, aber mit der eigenen Yacht zur Insel, um sich von ihren zuvorkommenden Schiffsjungen die Cocktails mithilfe kleiner Plastikschwimminseln direkt ins Wasser liefern zu lassen.




Panama_Stadt_2

03.06.2012

Santa Catalina, 21. - 28.05

Um der Großstadt zu entfliehen sowie unsere Surfkenntnisse zu vertiefen, waren wir für eine Woche in Santa Catalina, einem kleinen Örtchen an der Pazifikküste, der zwar zu den top Strand- und Wellenreitdestinationen Panamas gehört, aber trotzdem ausgesprochen wenig erschlossen ist und ziemlich schnucklig daherkommt. Wir konnten unser Lager glücklicherweise auf einem kleinen Hügel direkt in Strandnähe aufschlagen, und waren deshalb in der Lage, stets ein Auge auf die Wellen zu werfen, um uns bei günstigen Bedingungen umgehend ins Wasser zu schmeißen. Und das hat, im Vergleich zu diversen Versuchen in Costa Rica, auch ziemlich gut geklappt. Als vorübergehende Surfer hatten wir neben der wirklich süchtig machenden Betätigung im tropisch warmen Wasser und den üblichen, lebenserhaltenden Maßnahmen, natürlich nicht besonders viel zu tun. Deshalb gibt's auch nicht so viel zu berichten. Außer dass manche Quallen am Hals ganz schön brennen können, Mutterskorpione ihre Kleinen vorbildlich auf dem Rücken transportieren (aber Gefahr laufen, von besorgt erbarmungslosen Gärtnern mit Chlor umgebracht zu werden), Hunde den Strand eigentlich noch inniger genießen können als wir, man während der Krabbensaison die Tür nachts mit größter Vorsicht zu öffnen hat, auch riesige Meeresschildkröten irgendwann sterben und ihre leblosen Körper als vermeintliche Krokodile im seichten Wasser ihr Unwesen treiben, Babykatzen sich ohne unsere Hilfe an Hängematten selbst strangulieren können (wir gehen davon aus, dass es kein Suizidversuch war), und dass gerade blonde, große Mädchen (aber nicht Marie) gerne von Gemüsehändlern, die ihre Ware direkt vom Auto aus anpreisen, gerne mal übers Ohr gehauen werden. Außerdem waren wir noch bei der größten Stadtparty des Jahres dabei, was ziemlich witzig war, aber aufgrund der auffällig blond exotischen - und auch sonst natürlich ausgesprochen hübschen - Erscheinung Maries, zu unschönen Eifersuchtsszenen führte. 




Santa_Catalina